Fallbeispiele
Rückenschmerzen trotz regelmäßigem Training
Das langfristige Ziel: wieder länger stehen und spazieren gehen können, ohne ständig über den Rücken nachdenken zu müssen.

Martin ist eigentlich sehr aktiv. Er trainiert dreimal pro Woche im Fitnessstudio, macht zusätzlich zweimal pro Woche Gyrotonic und geht regelmäßig tanzen. Trotzdem hatte er seit etwa zwei Jahren Schmerzen im unteren und mittleren Rücken. Besonders langes Stehen, Liegen und Spazierengehen waren schwierig. Teilweise traten die Schmerzen bereits nach 10 bis 20 Minuten Gehen auf. Wärme und eine Faszienrolle halfen kurzfristig. Auch Training fühlte sich zunächst oft gut an, danach kamen die Beschwerden jedoch wieder.
Was zeigte die Untersuchung?
Martin hatte grundsätzlich viel Kraft und eine gute Beweglichkeit der Hüfte. Besonders seine Rückenmuskulatur war sogar sehr kräftig. Auffällig war aber, dass er viele Bewegungen stark über den unteren Rücken ausführte. Gleichzeitig waren die vordere und seitliche Rumpfmuskulatur deutlich schwächer. Auch die Beweglichkeit im mittleren Rücken war eingeschränkt. Beim Aufrichten kompensierte Martin deshalb häufig über ein stärkeres Hohlkreuz. Zusätzlich zeigten sich kleine Kraftunterschiede zwischen rechter und linker Hüfte sowie Unsicherheiten beim Gleichgewicht.
Unser Ansatz
Das Ziel war deshalb nicht einfach, den Rücken noch stärker zu machen. Wir begannen mit wenigen gezielten Übungen für die Bauchmuskulatur, die seitliche Rumpfmuskulatur und die Beweglichkeit des mittleren Rückens. Dazu kamen Übungen für Hüfte und Gleichgewicht. Zu Beginn lag der Fokus bewusst auf wenigen Wiederholungen und einer sauberen Bewegungsausführung. Erst wenn diese kontrolliert möglich waren, wurde die Belastung gesteigert. Auch das bestehende Training im Fitnessstudio musste nicht komplett verändert werden. Stattdessen ging es darum, gezielt die Bereiche zu ergänzen, die bisher zu wenig trainiert wurden. Das langfristige Ziel: wieder länger stehen und spazieren gehen können, ohne ständig über den Rücken nachdenken zu müssen. Hinweis: Dieses Fallbeispiel wurde anonymisiert. Der Name wurde geändert und einzelne Details leicht angepasst.
Häufige Fragen
Warum können Rückenschmerzen trotz guter Kraft bestehen?
Kraft ist nur ein Faktor. Belastungsverteilung, Ausdauer, Bewegungsvariabilität, Regeneration, Schlaf und psychosoziale Einflüsse können ebenfalls eine Rolle spielen.
Braucht der Rücken dann noch mehr Training?
Nicht zwingend mehr, sondern passender dosiertes Training. Eine Untersuchung hilft zu entscheiden, welche Fähigkeiten fehlen und welche Belastungen vorübergehend angepasst werden sollten.
Quellen und weiterführende Evidenz
- Guideline for non-surgical management of chronic primary low back pain — World Health Organization, 2023
- Low back pain and sciatica in over 16s: assessment and management — National Institute for Health and Care Excellence (NICE), 2016
Medizinischer Hinweis: Der Artikel beschreibt ein anonymisiertes Fall- oder Trainingsbeispiel und ersetzt keine persönliche Diagnose oder Behandlung.
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